Zwischen meinen Zeilen
schwimmt neuerdings ein Wal.
Zuerst tauchte er in den Zeilen auf. In meinem Gedicht „Winter“.
Ich nahm ihn da heraus; es zog mich zu sehr herunter.
Plastikmüll im Meer, aussterbende Art, größtes Säugetier, Walgesang…

Zwei Tage später war er wieder da.
Seine Kontur bekam Kontraste, er schwamm in gebrochenem Licht;
unübersehbar zog sich seine Rückenflosse wie ein vermeintlicher Cursor durch den Bildschirm. viel zu groß für einen Tümmler, zu klein für einen Blauwal. Und dann das: „Wal-Talk“. Markerschütternd stimmbrüchig quiekte es an mein Ohr: „Alles Geschriebene ist oberflächlich.“

Hier hätte ich eigentlich sofort reagieren sollen. Allein, ich tat es nicht, jedenfalls nicht so, wie ich es mir erträumt haben würde. Oder wie ich es für angemessen gefunden hätte – Stattdessen schielte ich auf die Uhrzeit: „Nein, das geht nicht. Bitte jetzt nichts mit einem Wal anfangen.“ Ob ich zu laut gedacht hatte? Verblüfft vernahm ich ein platschendes Prusten: „Mensch, ich muss mir doch auch mal Luft verschaffen.“ Und weg war er.
Vielleicht irre ich mich und er taucht nie wieder bei mir auf.
Vielleicht schwimmt er woanders hin.

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