es war einmal ein kind, das ging zum bauern, milch holen. 1967 war das ungefähr. Das kind ging noch nicht zur schule, aber es ging zwei bis drei mal in der woche milch holen. Der bauer hatte eine haushälterin und ca. 12 kühe, alle kühe hatten einen namen, der auf einer schiefertafel mit kreide geschrieben war und über den kühen hing an ihrem futterplatz im stall. Der bauer redete wenig, darum war das kind erstaunt, als er sagte: „komm, ich zeig dir was“.

Der bauer hatte eine taschenlampe, es war schon dunkel, er ging nach draußen mit kräftigen schritten. Er war sehr hager und lang, hatte keine haare auf dem kopf, nur an den ohren waren einige haare zu sehen und darüber –  in richtung stirn, dicke, mit haut überdeckte adern.

Das kind folgte ihm, so gut es konnte, war noch rechtzeitig zur stelle, als der bauer mit der taschenlampe den unteren rand des reetdaches untersuchte, mit einem flinken griff etwas einfing, es war ein kleiner vogel, wie das kind sah.

Ohne etwas zu sagen, drehte sich der bauer um, ging in richtung diele, war sich wohl sicher, dass das kind folgen würde. Das kind folgte ihm. Es stellte keine fragen.

Der bauer öffnete eine dielentür, dort war ein kleiner stall. Darin hockte eine katze. Nun hob der bauer den blick, sah das kind kurz an, dann nahm er den kleinen vogel, brach ihm die flügel, warf ihn der katze vor, die sich sofort auf ihn stürzte.

Der bauer sah das kind noch einmal schweigend an, drehte sich wieder um, schloß die tür. Das kind nahm seine zwei gefüllten milchkannen aus hartplastik auf und ging nach hause. Es erzählte niemanden, was es gesehen hatte. Es behielt die unheimlich wirkende atmosphäre aus schweigen und handeln für sich.

 

 

 

 

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