standpunkt

gold sieben mit offenen armen

durchlässig sein für alles licht

in der tiefe das wasser fühlen

das einst im regenbogen stand

geburtstag

in einer schachtel liegen fotos

die schachtel ist ganz hinten versteckt

auf einem bild ist ein mann als kind

auf einem bild ist er ein baby

dann ist auf einem bild ein soldat

er lächelt er lächelt er lächelt

ein bild ist nur da von der hochzeit

es ist ganz klein und knittrig das bild

und briefe sind drin in der schachtel

mit spitzer oder breiter feder

mit blauer oder schwarzer tinte

vor den augen schwimmen  fremd worte

der tod ist in der schachtel er ist

der vater die mutter und das kind

nadelöhr durch das das leben zieht

und er lächelt lächelt lächelt nicht

 

 

 

 

 

 

wegweise II

kaltfüßig in den regen gesetzt

unbeschlagne hufe

auch heute wird wieder gesprungen

eine in nebel getauchte welt

wartet auf

und an ampeln heften sich schlangen

leuchten rotgolden durch tal und berg

ein rauch ist ihr teppich und ein band

das wie pech und schwefel verbindet

und sie

kämmen den nebel mit goldnem kamm

singen nicht fauchen nur monoton

das lied eines einsamen schiffers

der im nebel die felsen nicht sah

am ende

wartet die nacht auf den tag

dass wieder gesprungen wird

das jemand neue straßen aufschreibt

auch für jemanden wie dich und mich

 

 

 

 

„hafenmöwe“ sagt tschüs (nonamepoetry bleibt)

keinen hafen fand die möwe heut

den strand den sie ihr eigen nannte

wo kräne starr nach oben ragen

nagen an den wolkenrändern

die wolken trugen sie in einem fort

als ob es große wogen wären

immer nur an orte ohne land

klein wurde sie die möwe klein

ein lied blieb hängen in der luft

silberflügelweisen heisre schreie

frei ist sie die möwe frei ohne hafen

und ohne namen grenzenlos