horizont

hochgezogen die brauen wie wegfliegvögel

wie lieblich der maien auch blühte*

das meer hat seine zeitlose zeit

und du hast nur noch volle hände

eine falte lichtet ihren anker

dem schwalbensommer hinterher

voll von dir und deinen berührungen

sind deine übervollen hände

wie immer stehen die haare ab

winterfarben dem wind zu störrisch

allmorgendlich fühlen sie vor

was für ein rauch sie erwartet

an der gerade entlang

die wort für wort absetzt

aus deinen händen nimmt

richte ich meinen rücken auf

 

©db

*Wie lieblich ist der Maien ( Martin Behm 1557- 1622) / Wie schön blüht uns der Maien (Volksweise 16. / 17. Jahrhundert)

 

 

 

 

 

wehe wind wehe

weh über den mond

kommende sicheln

ins kommende korn

schein sonne scheine

schein auf den mond

beleuchte wolken

mit wärmenden strahl

und regen regne

salzig und süß

entfaltetes licht

in den morgentau

weiße den schnee

mit wolkenbrüchen

und strahlendem blau

mit hoffnung auf glanz

 

©db

 

 

 

 

 

 

 

 

ruf

das raue die stimme

der heisere ton

himmlische glocke

sie läutet und läutet

im surren der drähte

schwirren der strahlen

gewölbe der nacht

den zufall entlang

fällt über den schlaf

einsamer wiesen

von oben herab

für einen moment

 

 

©db

rechts fuhr ich was sonst durch pingelshagen

und am schlachtfeld von gadebusch vorbei

(ca.) 3000 tote 1712

bin zuhaus nach fünzig kilometern

was soll ich sagen der asphalt ist grau

wer auto fährt sollte darauf achten

links ist da wo der strich ist die grenze

da habe ich am meisten drauf geguckt

nicht so sehr auf die roten plakate

npd und was da sonst noch draufsteht

doch zwingt mich waschbeton an wänden

der heimat zu gedenken mit weißem band*

mit weißbetäubten tauben sie sind grau

mit blauem licht sie fragen mich hallo

wo war ich noch mal stehengeblieben

ach ja waschbeton er hat mein alter

*Anspielung auf „das weiße Band“ von Michael Haneke (2009)

©db

wieder steht ein mensch

am rand und schaut hinab

auf die kleinen schwarzen

mehr werdenden punkte

wie gesiebt auf den grund

häuft sich bewegung an

ein sog den er schwindelnd

an sich abrinnen lässt

er greift ihn diesen ruf

sich einfach umzudrehn

dreht sich dabei im kreis

tänzer einer spieluhr

©db